KI-ETHIK & TECHNOLOGIEFOLGEABSCHÄTZUNG

Gedankenexperiment: Das Jahr 2035

Hausübung für heute Nachmittag

→ SZENARIO 2035

  • Maschinen übernehmen alle Aufgaben
  • Güter & Dienstleistungen frei verfügbar
  • Arbeit ist optional geworden
  • Grundbedürfnisse gesichert

→ EURE AUFGABE

  • 01 Lest den Artikel zum Gedankenexperiment (scrollt runter oder klickt unten)
  • 02 Beantwortet: "Was würde ich tun, wenn ich nicht mehr arbeiten müsste?"
  • 03 Optional: Beschreibt einen "Tag in 2035" als kurzen Text

> DEEP_DIVE:

Ein Tag in 2035: Leben ohne Arbeit, mit Maschinen

> READING_TIME: 14 min

Schließe die Augen. Es ist Morgen. Du wachst auf. Es ist 2035. Zehn Jahre sind vergangen. Die Welt hat sich fundamental verändert.

7:00 Uhr - Aufwachen

Kein Wecker. Du wachst auf, wann dein Körper es will. Es gibt keinen Job, zu dem du musst. Keine Deadlines. Kein Chef. Kein Pendeln im Stau.

Ein humanoider Roboter hat bereits Kaffee gemacht. Genau so, wie du ihn magst. Die Küche ist sauber. Dein Frühstück steht bereit. Alles automatisch.

9:00 Uhr - Was machst du?

Hier ist die Frage: Was tust du? Du musst nicht arbeiten. Geld spielt keine Rolle - universelles Grundeinkommen deckt alles ab. Güter sind durch Automatisierung praktisch kostenlos geworden.

Einige Optionen:

Lernen

Du könntest eine neue Sprache lernen. Oder Quantenphysik. Oder Malerei. Die beste KI der Welt ist dein persönlicher Tutor, verfügbar 24/7, perfekt angepasst an deinen Lernstil.

Erschaffen

Du könntest ein Buch schreiben. Eine App entwickeln. Musik komponieren. Die Tools sind perfekt. Die KI hilft dir bei allem. Deine Kreativität ist der einzige Engpass.

Helfen

Du könntest dich um andere kümmern. Alte Menschen besuchen. Kinder unterrichten. Projekte leiten, die dir wichtig sind. Nicht für Geld. Für Bedeutung.

Genießen

Du könntest reisen. Lesen. Spiele spielen. Zeit mit Freunden verbringen. Einfach... leben. Ohne Schuldgefühle. Ohne das Gefühl, "produktiv" sein zu müssen.

Nichts

Du könntest auch nichts tun. Existieren. Atmen. Sein. Ist das erlaubt? Ist das genug?

14:00 Uhr - Die Stadt

Du gehst raus. Die Straßen sind sauber - Roboter kümmern sich darum. Selbstfahrende Autos gleiten lautlos vorbei. Die Luft ist besser als vor 10 Jahren - erneuerbare Energien haben gewonnen.

Du siehst andere Menschen. Manche sitzen in Cafés und reden. Andere arbeiten an Projekten - weil sie es wollen, nicht weil sie müssen. Ein Straßenmusiker spielt Gitarre. Nicht für Geld. Für die Freude daran.

Du bemerkst: Die Menschen sehen unterschiedlich aus. Manche wirken erfüllt, lebendig, engagiert. Andere... leer. Ziellos. Verloren in einer Welt, die sie nicht mehr braucht.

20:00 Uhr - Die Fragen

Abends sitzt du da und denkst: Bin ich glücklich? Erfüllt? Habe ich heute etwas Bedeutsames getan?

Oder fühlst du dich leer? Ziellos? Vermisst du die Struktur, die Arbeit dir gegeben hat? Das Gefühl, gebraucht zu werden? Die Identität, die dein Beruf dir gab?

→ KERNFRAGE

Wer bist du, wenn du nicht mehr durch deinen Beruf definiert wirst?

Die Frage nach Identität, Bedeutung und Zweck wird 2035 nicht verschwunden sein. Sie wird wichtiger sein als je zuvor. Denn zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte müssen wir sie beantworten, ohne auf "Überleben" oder "Produktivität" zurückgreifen zu können.

Die zwei Arten von Menschen

In 2035 gibt es zwei Arten von Menschen:

  • Die Vorbereiter: Menschen, die sich jetzt fragen: Was will ich wirklich? Was gibt mir Sinn? Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielt? Sie experimentieren. Sie entwickeln innere Klarheit. Sie bauen Fähigkeiten auf, die sie erfüllen.
  • Die Überraschten: Menschen, die 2035 aufwachen und feststellen: Mein Job ist weg. Meine Identität ist weg. Mein Zweck ist weg. Und ich habe keine Ahnung, wer ich ohne all das bin.

Die unbequeme Wahrheit

Für viele Menschen ist diese Welt ein Paradies. Für andere eine Existenzkrise. Der Unterschied? Nicht die Technologie. Sondern die innere Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist.

Darum ist 2025-2030 so entscheidend. Nicht nur technologisch. Sondern philosophisch. Persönlich. Wir brauchen neue Antworten auf alte Fragen:

  • Was macht ein gutes Leben aus?
  • Was gibt uns Sinn?
  • Was wollen wir wirklich?
  • Wer sind wir ohne Produktivität?

Stell dir die Frage. Jetzt.

Nicht in 10 Jahren. Nicht wenn es zu spät ist. Sondern heute: Was würde ich tun, wenn ich nicht mehr arbeiten müsste?

Deine Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob 2035 ein Segen oder ein Fluch wird.